Mit dem Jeep zum Himmels-See

Die blumenreichste Tour war die zum Himmels-See. Sie führte mich auf über 4.000 m Höhe. Leider war es auch die letzte, doch davon später. Kevin fuhr den Jeep, seine Frau war ebenfalls dabei und einen Führer hatten sie auch noch engagiert. Stundenlang ging es bergauf und nur einmal trafen wir auf ein anderes Auto mit dessen Besatzung es einen heftigen Disput gab. Worum es ging, wurde mir leider nicht gesagt. No problem! Ich vermute es waren Forstbeamte oder ähnliches, die nicht wollten, dass ein Ausländer hier oben herumkriecht. In den Tälern fanden wir längliche, geduckte Holzhäuser mit tibetischen Hirtenfamilien, die im Sommer hier oben ihre Yaks weiden. Wenn ich in der Nähe der Häuser aussteigen wollte, um Blumen zu fotografieren, musste ich zunächst eine Weile abwarten, bis die Hunde von ihren Besitzern zurück gepfiffen wurden und beide uns "beschnuppert" hatten. Meine chinesischen Wirtsleute meinten, dass sie die Sprache der Hirten nicht verstehen aber an ihrer Mimik und Gestik  deutlich wurde, dass wir doch willkommen sind. An einer Stelle ging es sehr steil bergan, so dass wir aussteigen mussten, damit Kevin allein mit dem Auto die Steigung meistern konnte.




Hengduan Gebirge


Siedlung der Yakhirten


Iris und Primeln

In den Tälern auf dem Weg zum Himmels-See fanden wir herrliche Blumenwiesen mit Iris, Vergißmeinnicht, Adonisröschen und den verschiedenen Primelarten. Im Hochland von Yunnan gibt es 100 verschiedene Primelarten, 110 Arten Gentiana und 216 Arten von Pedicularis.


Incarvillea zhongdianensis

Einige Pflanzen sind nur hier zu finden und tragen dann auch den Artnamen, zhongdianensis, wie z. B. Incarvillea zhongdianensis. Im Unterschied zu I. forrestii sind die Blätter tiefer eingeschnitten und die seitlichen Blütenblätter sind bei I. zhongdianensis etwas zurückgeschlagen oder verdreht. Zunächst dachte ich, die Blüten seien schon etwas welk, aber ich konnte nur Blüten mit zurück geschlagenen Blütenblättern finden. Die Vielzahl der Pflanzenarten im Hochland von Yunnan ergibt sich sicher auch daraus, dass wir z. B. auf dieser Tour zum Himmelssee 1.000 Höhenmeter überwunden haben. Die Wiesen waren auch hier oben sehr oft überweidet, und es steht zu befürchten, dass endemische Pflanzenarten möglicherweise unwiederbringlich verloren gehen.


Incarvillea forrestii 


Cynoglossum amabile
ist wohl ein Synonym für Hackelia uncinata bzw. H. glochidiata. Das Chinesische Vergißmeinnicht soll  in verschiedenen Himalaja-Tälern in Höhen von 2.400-3.500 m vorkommen. Die Pflanze wird als Himalaja-Blume bezeichnet und wird sehr oft im Zusammenhang mit dem "Valley of Flowers National Park", einem indischen Nationalpark im West-Himalaya genannt. Leider sind sich die Quellen nicht einig, ob die Pflanze nun ein- oder zweijährig ist oder gar eine Staude. Samen kann man jedenfalls kaufen.


Cynoglossum amabile


Mecacodon
ist eine Gattung der Enziangewächse und hat nur zwei Arten. Mecacodon stylophorus kommt in Höhen von 3000 bis 4400 m und nur im Ost-Himalaya vor. Über eine Verwendung der Pflanze im Garten ist nichts bekannt.


Für Adonis brevistyla gibt es schon eher Hinweise auf eine Gartenverwendung.
 

Pedicularis siphonantha    

Nach etwa drei Stunden Fahrt haben wir den Himmelssee in 4.000 m Höhe erreicht. Das Seeufer ist ziemlich flach für einen Gebirgssee. Es ist mit Rhododendrenbüschen in vielen verschiedenen Farben und Größen bedeckt, d. h. es müssen auch verschiedene Arten sein. Im Hochland von Yunnan gibt es 200 verschiedene Arten von Rhododendron. Leider reicht der Platz nicht aus, sie hier zu zeigen. Von den Blütenstauden fallen die überall in Yunnan vorkommenden Primula secundiflora und P. sikkimensis als erstes ins Auge. Es war so schön hier, dass ich am liebsten ein paar Tage hier oben geblieben wäre. Erstaunt war ich, dass in 4.000 m Höhe auch ein Feuerkolben, Arisaema elephas zu finden ist. Bisher hatte ich Vertreter der Gattung auf japanischen subtropischen Inseln und im Kuju Hochland in 1.000 m Höhe gefunden. Sie werden auch als Kobralilien bezeichnet, da sie wie eine aufgerichtete Kobra auf der Wiese züngeln. Eine fast schon gespenstige Erscheinung.


Rhododendren und Primeln am Himmels-See


Arisaema elephas,
Kobralilie


Veratrilla bailloni


Iris delavayi


Nomocharis forrestii i
st eine weithin rosa leuchtende, etwas zarte Blume. Zur Gattung gehören weniger als 10 Arten, und sie sind auch nicht klar unterschieden. Ein Bild, ähnlich dem meinen, wird bei Wikipedia als N. aperta bezeichnet. Wenn man eine so schöne Pflanze sieht, fragt man sich sofort, warum habe ich sie noch nie in einem Garten gesehen? Sicher sind es die ganz besonderen Bedingungen hier oben im Hochland von Yunnan, die nur im Liebhabergarten erfüllt werden können. Besonders gefreut habe ich mich, dass ich Vertreter meiner Lieblingsstauden hier oben gefunden habe, Rodgersien und Ligularien. Während Rodgersia pinnata, obwohl sie nur in 2.000 bis 3.800 m Höhe vorkommt, eine bekannte Gartenstaude ist, gibt es über Ligularia lankongensis kaum Informationen, erst recht nicht über eine Verwendung im Garten. Sollten doch noch Schätze für unsere Gärten im Hochland von Yunnan schlummern?


Rodgersia pinnata  


Ligularia lankongensis


Iris spec.
 

Lilium souliei 


Primula chionantha ssp.sinopurpurea


Himmels-See

Leider zogen schon bald dicke Wolken auf, und meine Begleiter mahnten zur Eile. Sie meinten, wenn es hier einen Regen gibt, verwandeln sich die Wege in Sturzbäche, und wir kommen nicht mehr runter. Da ich auch ein bisschen Höhenkrankheit spürte, willigte ich notgedrungen ein. Die Höhenkrankheit habe ich bei meiner Reiseplanung leider überhaupt nicht berücksichtigt, und deshalb bin ich vorsichtshalber am Tag nach der Tour zum Himmelssee zurückgeflogen. Was hatte ich falsch gemacht? Ich flog an einem Tag von Nanjing, etwa in Meereshöhe, nach Kunming in 2.000 m Höhe und gleich anschließend nach Zhongdian in 3.300 m Höhe. Die "Oxygen-Bar"am Busparkplatz des Bita-Sees amüsierte mich, und das Verhalten eines Amerikaners in Kevins Trekker Inn war mir unverständlich. Er frühstückte morgens mit mir, und als ich am Nachmittag von meinem Ausflug zurückkam, saß er immer noch da. „Was hast du denn heute gemacht?“ fragte ich ihn. Seine Antwort: "I had a second cup of coffee, that was it for today!". Er erzählte auch, dass er sich zunächst ein paar Tage in Kunming akklimatisierte, bevor er nach Zhongdian flog. Leider konnte ich durch meine Unachtsamkeit nicht alle Tourwünsche im Hochland von Yunnan erfüllen. Wer hat Lust, mit mir gemeinsam noch einmal hin zufahren?